Zum Jahreswechsel 2025/2026 war Silvester in Spandau leiser und ein gutes Stück geordneter. Erstmals galten flächendeckende Regeln, wann es im Bezirk krachen durfte.1
Statt Dauerböllern rund um die Uhr setzte Spandau auf klare Zeitfenster und mehr Rücksicht in den Wohngebieten. Das kam nicht nur Anwohnern zugute, sondern auch Rettungskräften und Tieren.2
Böllerverbotszonen Berlin-Spandau – diesmal der ganze Bezirk
Während Berlin seit Jahren auf einzelne Böllerverbotszonen in besonders belasteten Bereichen wie der Altstadt oder der Neustadt setzt, ging Spandau einen Schritt weiter.3 Zum Jahreswechsel 2025/2026 galt im gesamten Bezirk ein zeitlich begrenztes Verbot von Knallfeuerwerk, also nicht nur an Hotspots, sondern vom Haveldamm bis zur Heerstraße Nord.
Hintergrund war ein Beschluss des Bezirksamts, das die Silvesternacht sicherer und stressfreier machen wollte. Gerade in dicht besiedelten Wohngebieten wie der Neustadt hatten sich Beschwerden und Zwischenfälle zuletzt gehäuft.
Was genau verboten ist – und wann es doch knallen darf
Konkret betraf die Regelung Knallfeuerwerk der Kategorie F2 mit ausschließlicher Knallwirkung, also die lauten Böller, die vor allem Krach machen. Diese durften am 31. Dezember 2025 erst ab 18 Uhr gezündet werden und am 1. Januar 2026 nur bis 7 Uhr morgens.
Außerhalb dieses Zeitfensters war das Abbrennen solcher Knallkörper im gesamten Bezirk untersagt. Wer also schon am Vormittag auf dem Brunsbütteler Damm probeböllern wollte, riskierte ein saftiges Bußgeld.
Warum Spandau jetzt durchgreift
Die Bilanz der vergangenen Jahre liest sich auch in Berlin wie ein Daueralarm: Verletzte, brennende Autos, überlastete Notaufnahmen, verängstigte Tiere.4 In Spandau klagten Anwohnende zudem über tagelangen Lärm und Vandalismus in Innenhöfen und auf Spielplätzen.
Bezirksstadträtin Tanja Franzke, zuständig für Jugend und Gesundheit und kommissarisch für Ordnung, spricht von „zunehmender Verunsicherung“ unter den Menschen und „stark belasteten Einsatzkräften“. Mit dem zeitlich begrenzten Böllerverbot wollte man unnötige Risiken vermeiden, damit alle zusammen entspannt den Jahreswechsel feiern können.
Kontrollen im Kiez: Ordnungsamt und Polizei unterwegs
Ganz auf freiwillige Einsicht verließ sich der Bezirk dabei nicht. Das Ordnungsamt Spandau kontrollierte gemeinsam mit der Polizei bereits am 29. und 30. Dezember an verschiedenen Orten im Bezirk den Umgang mit Feuerwerk.
In der Silvesternacht selbst sorgte, wie schon in den Vorjahren, vor allem die Polizei für die Einhaltung der Regeln. Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz können mit Geldbußen von bis zu 50.000 Euro geahndet werden, ein teurer Spaß für ein paar Minuten Krach im Innenhof.
Was zusätzlich bundesweit gilt
Zur Spandauer Sonderregel kommen noch die bundesrechtlichen Vorgaben oben drauf. Feuerwerk ist ganzjährig in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie an brandgefährdeten Orten wie Tankstellen verboten, auch in Haselhorst, Siemensstadt oder Staaken.5
Außerdem gilt: Personen unter 18 Jahren dürfen kein Feuerwerk der Kategorie F2 verwenden. Dazu gehören genau die Artikel, die lauter und stärker sind als Wunderkerzen oder kleine Tischfeuerwerke, also alles, was richtig rummst.
Leiser feiern – Spandauer Stil
Natürlich war es auch 2025/2026 in Spandau nicht komplett still, wenn die Sektkorken knallten und Raketen über der Zitadelle leuchteten. Aber die neue Regelung sollte verhindern, dass aus Vorfreude auf den Jahreswechsel ein tagelanger Belagerungszustand mit Dauerböllern wird.
Viele Spandauer begrüßten laut Rückmeldungen an den Bezirk, dass endlich klare Grenzen gezogen wurden, gerade Familien mit Kindern, Halter von Hunden und Katzen oder Menschen, die in den vergangenen Jahren schlechte Erfahrungen mit Feuerwerkskrawallen gemacht haben.
Ob die Böllerverbotszonen Berlin-Spandau im nächsten Jahr wieder nur einzelne Straßen sind oder das Modell eines begrenzten Verbots im ganzen Bezirk Schule macht, hängt nun auch davon ab, wie dieser Jahreswechsel verlief. Klar ist: Spandau hat etwas ausprobiert, das vielen anderen Bezirken in Berlin längst durch den Kopf geht, weniger Krach, mehr Miteinander.