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Lokales

Spandau Ortsteile: Alle 9 Ortsteile im Überblick

Von der mittelalterlichen Altstadt bis zu den Wassergrundstücken in Kladow: was die Bezirksregionen Spandaus prägt.

Von Matthias Wenniger | 10. Juni 2026
Spandau Ortsteile: Alle 9 Ortsteile im Überblick © A.Savin, Wikimedia Commons (Lizenz: FAL)
Das Rathaus Spandau an der Carl-Schurz-Straße

Spandau ist der westlichste der zwölf Berliner Bezirke und einer der eigenständigsten. Bis 1920 war Spandau eine eigene Stadt, erst mit dem Groß-Berlin-Gesetz wurde sie eingemeindet.

Offiziell gliedert sich der Bezirk in neun Ortsteile, von der dicht bebauten Spandau Mitte über Großsiedlungen wie das Falkenhagener Feld bis zu fast ländlich anmutenden Dörfern wie Gatow und Kladow am südlichen Havelufer. Die folgende Reihenfolge orientiert sich an den Einwohnerzahlen, vom bevölkerungsreichsten Stadtteil abwärts.

HakenfeldeFalkenhagener FeldBrunsbütteler DammHeerstraßeGatow/KladowSpandau MitteHaselhorstSiemensstadtWilhelmstadt
Was dich erwartet

1. Spandau Mitte

  • Einwohner: ca. 39.000
  • Lage: Zentrum des Bezirks, zwischen Havel und Spree
  • Highlights: Altstadt, Zitadelle, Rathaus, Bahnhof Spandau
  • Charakter: Verwaltungszentrum und Hauptgeschäftsstraße

Spandau Mitte ist das historische und funktionale Zentrum des Bezirks. Hier liegt die Altstadt mit ihrem mittelalterlichen Grundriss, dem Rathaus an der Carl-Schurz-Straße und dem Bahnhof Spandau, an dem ICE, Regional- und S-Bahn sowie die U7 zusammenkommen.

Prägend sind die Fußgängerzone rund um den Markt, die Spandau Arcaden am Bahnhof und die Altstadt mit Nikolaikirche, Gotischem Haus und Reformationsplatz. Wohnlich ist Spandau Mitte gemischt: Gründerzeitbauten an der Falkenseer Chaussee, Nachkriegszeilen östlich der Altstadt und neuere Quartiere am Havelufer.

2. Falkenhagener Feld

  • Einwohner: ca. 38.000
  • Lage: Nordwesten, Richtung Brandenburger Stadtgrenze
  • Entstanden: ab 1962 als Großsiedlung
  • Highlights: Spektesee, Stadtteilzentrum am Posthausweg

Geplant wurde das Falkenhagener Feld als moderne Trabantenstadt mit eigener Infrastruktur. Hochhauszeilen wechseln sich mit Reihenhäusern, Schulen, Kitas und Grünflächen ab, zentrale Achse ist die Falkenseer Chaussee.

Der Stadtteil ist Schwerpunkt des Berliner Programms "Soziale Stadt" und des Stadtumbaus. Wohnungsblöcke wurden saniert, Wegeverbindungen verbessert und Quartiersmanagements eingerichtet. Eine U-Bahn-Anbindung gibt es bislang nicht, die Diskussion um eine U7-Verlängerung läuft seit Jahren.

3. Wilhelmstadt

  • Einwohner: ca. 36.000
  • Lage: Südlich der Altstadt, westlich der Havel
  • Charakter: Gründerzeit, Gartenstadt Staaken, Wasserlagen
  • Highlights: Pichelsdorfer Straße, Gartenstadt Staaken (1914)

Der Name erinnert an Kaiser Wilhelm I. – die Kriminalitätsstatistik zeigt allerdings, dass die Wilhelmstadt heute der am stärksten belastete Spandauer Ortsteil ist., unter dessen Regierung sich der Stadtteil ab dem späten 19. Jahrhundert als bürgerliche Vorstadt entwickelte. Bauliches Rückgrat sind Gründerzeitblöcke entlang der Pichelsdorfer Straße, der historischen Geschäftsstraße des Stadtteils.

Dazu kommen die denkmalgeschützte Gartenstadt Staaken von Paul Schmitthenner und kleinere Einfamilienhausgebiete Richtung Tiefwerder. Wasser spielt eine große Rolle: Im Süden grenzt der Stadtteil an die Havel und die Pichelsdorfer Wiesen, im Osten an den Stößensee.

4. Heerstraße

  • Einwohner: ca. 21.000
  • Lage: Westen, entlang der B5 Richtung Stadtgrenze
  • Entstanden: 1960er bis 1970er Jahre
  • Charakter: Großwohnsiedlungen, sozialer Wohnungsbau

Der Ortsteil umfasst die Großwohnsiedlungen entlang der Bundesstraße 5, vor allem Heerstraße Nord und Teile von Neu-Staaken. Entstanden ist die Siedlung als Antwort auf die Wohnungsnot West-Berlins, charakteristisch sind die langen Hochhauszeilen entlang der Obstallee.

Verkehrlich erschließt die Heerstraße den Stadtteil nach Osten in Richtung Olympiastadion und nach Westen bis zur Stadtgrenze. Eine S-Bahn-Anbindung besteht über Bahnhof Spandau und Stresow sowie über Albrechtshof und Seegefeld auf brandenburgischer Seite.

5. Hakenfelde

  • Einwohner: ca. 20.000
  • Lage: Norden, zwischen Havel und Spandauer Forst
  • Highlights: Wasserstadt Oberhavel, Spandauer Forst
  • Im Wandel: Größtes Neubauquartier des Bezirks

Hakenfelde erstreckt sich im Norden des Bezirks zwischen der Havel im Osten und dem Spandauer Forst im Westen. Historisch war der Stadtteil lange dünn besiedelt, bevor sich entlang der Havel Industrie ansiedelte.

Auf den frei gewordenen Industrieflächen entsteht seit den 1990er Jahren die Wasserstadt Oberhavel mit Wohnquartieren am Havelufer, etwa der Pulvermühle und der Havelspitze. Naturräumlich profitiert Hakenfelde vom Spandauer Forst mit Wildgehege und Großen Sees als beliebtes Ausflugsziel.

6. Gatow und Kladow

  • Einwohner: ca. 17.000
  • Lage: Süden, am westlichen Havelufer
  • Charakter: Dörfer, Villenlagen, gehobenes Wohnen
  • Highlight: BVG-Fähre F10 von Kladow nach Wannsee

Beide Orte waren bis 1920 selbstständige Dörfer und bilden zusammen den südlichsten und ländlichsten Ortsteil – laut Kriminalitätsstatistik auch die mit Abstand sicherste. Kladow liegt direkt am westlichen Ufer der Havel, der historische Dorfkern mit Dorfkirche, der Anleger am Imchenplatz und die Landhaus- und Villenlagen prägen das Bild.

Gatow ist stärker landwirtschaftlich und militärhistorisch geprägt: Der ehemalige Flugplatz beherbergt heute das Militärhistorische Museum der Bundeswehr. Naturräumlich überwiegen Wald, Wiesen und Wasser, eine Schienenanbindung gibt es nicht.

7. Haselhorst

  • Einwohner: ca. 12.000
  • Lage: Östlich der Altstadt, an Havel und Schifffahrtskanal
  • Highlight: Reichsforschungssiedlung (Walter Gropius u.a.)
  • Verkehr: U7-Stationen Haselhorst und Paulsternstraße

Haselhorst liegt zwischen Havel, Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal und Saatwinkler Brücke. Bekannt ist der Stadtteil vor allem für die Reichsforschungssiedlung von 1930 bis 1935, an deren Bau Walter Gropius, Otto Bartning und Fred Forbát beteiligt waren. Die Siedlung steht heute unter Denkmalschutz.

Daneben prägen die Justizvollzugsanstalt, Gewerbegebiete entlang des Kanals und neuere Wohnquartiere am Wasser den Stadtteil. Die unmittelbare Nähe zur Havel und zum Tegeler See macht Haselhorst trotz industrieller Vergangenheit zu einem Stadtteil mit deutlichem Wasserbezug.

8. Siemensstadt

  • Einwohner: ca. 12.000
  • Lage: Nordosten, an der Grenze zu Charlottenburg-Nord
  • Highlight: Großsiedlung Siemensstadt (UNESCO-Welterbe)
  • Im Wandel: Siemensstadt Square ab 2018, bis 2030

Der Name geht auf das Unternehmen Siemens zurück, das hier ab den 1890er Jahren ein eigenes Werks- und Wohnviertel aufbaute. Prägend sind bis heute die alten Werkshallen entlang der Nonnendammallee, das Wernerwerk und das Schaltwerk.

Die Großsiedlung Siemensstadt von Hans Scharoun, Walter Gropius und anderen ist Teil des UNESCO-Welterbes "Siedlungen der Berliner Moderne". Mit Siemensstadt Square entsteht auf rund 76 Hektar derzeit ein Stadtquartier, das auch das Mietniveau im Nordosten heben wird, das, das Wohnen, Forschung, Gewerbe und Bildung neu verflechtet.

9. Brunsbütteler Damm

  • Einwohner: ca. 11.000
  • Lage: Südwesten, entlang der gleichnamigen Hauptstraße
  • Charakter: Wohnsiedlungen, Gewerbe, alte Dorflagen
  • Naturlagen: Pichelswerder, Tiefwerder Wiesen

Der Ortsteil folgt der Hauptstraße in Richtung Staaken und Brandenburg. Geprägt wird der Stadtteil von Wohnsiedlungen unterschiedlicher Epochen, Einfamilienhausgebieten und ausgedehnten Gewerbeflächen mit Autohäusern, Fachmärkten und kleineren Industriebetrieben.

Daneben finden sich ältere Dorflagen, etwa rund um den historischen Kern von Tiefwerder, sowie Kleingartenanlagen. Eine direkte Schienenanbindung fehlt, die U7 ist über Bahnhof Rohrdamm und Buslinien erreichbar.

Ausblick: Wohin sich Spandau entwickelt

Drei Stadtteile stehen in den nächsten Jahren im Fokus. In Hakenfelde wächst die Wasserstadt Oberhavel weiter, im Umgriff bis zu 13.250 Wohnungen. Siemensstadt wird bis 2030 zum Innovationsquartier mit Wohnen, Forschung und Produktion umgebaut. Und im Falkenhagener Feld sowie an der Heerstraße laufen die Programme "Sozialer Zusammenhalt" und "Soziale Stadt" weiter.

Die seit Jahrzehnten diskutierte Verlängerung der U7 Richtung Heerstraße Nord und Falkenhagener Feld bleibt politisches Dauerthema und würde den westlichen Bezirk verkehrlich neu sortieren. Wer den Bezirk wirklich kennenlernen will, kommt um einen Streifzug durch die Ortsteile nicht herum, jeder Stadtteil bringt seinen eigenen Charakter mit.

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Matthias Wenniger
Matthias Wenniger
Freier Journalist

Freiberuflicher Journalist, geboren und aufgewachsen in der Spandauer Neustadt. Nach Jahren bei verschiedenen Berliner Lokalredaktionen zog es ihn zurück in den Heimatbezirk. Schreibt am liebsten über Menschen, die Spandau prägen.

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