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Lokales

Die 11 besten Sehenswürdigkeiten in Spandau

Von der mittelalterlichen Zitadelle über die Havelseen bis zur Industriearchitektur der Siemensstadt: ein Streifzug durch den unterschätzten Bezirk im Westen Berlins.

Von Matthias Wenniger | 15. Juli 2026
Die 11 besten Sehenswürdigkeiten in Spandau © Foto: Uwe Hildebrandt / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Blick über die Spandauer Altstadt.

Spandau ist touristisch lange übersehen worden. Die großen Reiseführer schicken ihre Leser zum Brandenburger Tor und auf die Museumsinsel, selten weiter als bis zum Charlottenburger Schloss. Dabei ist der westlichste Berliner Bezirk in einer halben S-Bahn-Stunde vom Hauptbahnhof erreichbar.

Wer den Weg auf sich nimmt, findet eine Stadt, die älter ist als Berlin selbst, mit eigener Altstadt, eigener Zitadelle und einem Wasserreichtum, der seinesgleichen sucht. Elf Orte, die zeigen, warum sich die Fahrt lohnt.

Was dich erwartet

1. Zitadelle Spandau

Luftbild der Zitadelle Spandau mit ihren vier Bastionen © Carsten Steger
Luftbild der Zitadelle Spandau mit ihren vier Renaissance-Bastionen an der Mündung der Spree in die Havel. Foto: Carsten Steger, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
  • Adresse: Am Juliusturm 64, 13599 Berlin
  • Eintritt: ca. 4,50 bis 8 Euro
  • Geeignet für: Familien, Geschichtsinteressierte, Konzertbesucher
  • Verkehr: U-Bahn Zitadelle (U7) direkt vor dem Tor

Eine der besterhaltenen Festungen der italienischen Renaissance nördlich der Alpen, erbaut zwischen 1559 und 1594 an der Mündung der Spree in die Havel. Die vier mächtigen Bastionen mit ihren spitzen Ecken sind das klassische Erkennungsmerkmal dieses Festungstyps.

Im Innenhof steht der Juliusturm aus dem 13. Jahrhundert, 145 Stufen führen hinauf zum Blick über die Altstadt bis nach Berlin-Mitte. Heute beherbergt die Zitadelle das Stadtgeschichtliche Museum Spandau sowie die Ausstellung "Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler". Im Sommer finden die bekannten Citadel-Music-Festival-Konzerte statt.

2. Spandauer Altstadt und Kolk

Blick über die Spandauer Altstadt mit der Nikolaikirche © A.Savin
Blick über die Dächer der Spandauer Altstadt: In der Mitte die Nikolaikirche, im Hintergrund die Havel. Foto: A.Savin, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
  • Adresse: Reformationsplatz und Behnitz, 13597 Berlin
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Stadtbummler, Architekturfreunde
  • Tipp: Wochenmarkt am Reformationsplatz

Wer aus der U-Bahn-Station Altstadt Spandau aussteigt, steht mitten in einer der ältesten erhaltenen Altstädte Berlins. Die gotische Nikolaikirche ist das Herz des historischen Spandau, hier wurde 1539 die Reformation in Brandenburg eingeführt. Vor der Kirche steht das Denkmal von Kurfürst Joachim II.

Wenige Schritte nördlich liegt der Kolk, der älteste Teil Spandaus. Hier stand vermutlich schon im 12. Jahrhundert eine slawische Siedlung. Heute schlängelt sich eine winzige Gasse zwischen niedrigen Häusern entlang eines Restes der mittelalterlichen Stadtmauer. Die nahe Sankt-Marien-Kirche am Behnitz ist die älteste katholische Kirche Berlins nach der Reformation.

3. Havel und Havelseen

Segelboote auf dem Pichelssee © Norhei
Segelboote auf dem Pichelssee, einem der langgestreckten Havelarme im Westen Spandaus. Foto: Norhei, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
  • Highlights: Pichelssee, Stößensee, Scharfe Lanke
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Wanderer, Radfahrer, Bootsfreunde
  • Verkehr: S-Bahn Pichelsberg (S3, S9)

Spandau ist Berlins wasserreichster Bezirk. Die Havel durchzieht ihn von Norden nach Süden und weitet sich an mehreren Stellen zu Seen, im Sommer bevölkert von Seglern, Ruderern und Badegästen. Der Pichelssee zwischen Pichelsdorf und Pichelswerder ist ein langgestreckter Havelarm mit einer der schönsten Promenaden des Bezirks.

Etwas südlich liegt der Stößensee, ein stiller, von Wald umgebener See mit Bootshäusern und kleinen Anlegestellen. Die Scharfe Lanke zwischen Pichelswerder und der Wilhelmstadt ist eine der traditionsreichsten Yachthafenadressen Berlins, im Sommer liegen die Boote dicht an dicht.

4. Spandauer Hafen und Lindenufer

Die Lindenufer-Promenade an der Havel © Alexrk2
Die Lindenufer-Promenade entlang der Havel, im Sommer ein beliebter Treffpunkt unweit der Altstadt. Foto: Alexrk2, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
  • Adresse: Lindenufer, 13597 Berlin
  • Eintritt: frei (Schiffsfahrten ab ca. 18 Euro)
  • Geeignet für: Schifffahrtsfreunde, Flaneure, Familien
  • Saison: Schiffe April bis Oktober, Promenade ganzjährig

Einer der ältesten Berliner Binnenhäfen, schon im Mittelalter wurden hier Salz, Getreide und Holz umgeschlagen. Heute hat sich der Hafen gewandelt: Wohnbauten, Promenaden und ein Marina-Bereich prägen das Bild, an manchen Stellen liegen noch alte Lagerhäuser aus rotem Backstein.

Direkt an der Altstadt befindet sich die Schiffsanlegestelle, von der aus die Reederei Stern und Kreis Fahrten auf der Havel anbietet. Die Lindenufer-Promenade ist im Sommer ein beliebter Treffpunkt mit Biergärten, Eisdielen und Blick auf die Zitadelle.

5. Siemensstadt: Industriearchitektur als Welterbe

Wohnzeile der Großsiedlung Siemensstadt © Doris Antony
Die markante Wohnzeile der Großsiedlung Siemensstadt, im Volksmund „Panzerkreuzer", Teil des UNESCO-Welterbes der Berliner Moderne. Foto: Doris Antony, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
  • Adresse: Goebelplatz und Nonnendammallee, 13629 Berlin
  • Eintritt: frei (Außenbesichtigung)
  • Geeignet für: Architekturfans, Bauhaus-Interessierte
  • Verkehr: U-Bahn Siemensdamm (U7)

Im Nordosten Spandaus entstand ab 1897 eine der größten zusammenhängenden Industrie- und Wohnsiedlungen Europas. Die roten Backsteinbauten der Werkshallen, das Wernerwerk und der berühmte Verwaltungsbau sind Zeugnisse einer Architekturepoche, die Industrie und Gestaltung zusammendachte.

Besonders bemerkenswert ist die Großsiedlung Siemensstadt, seit 2008 Teil des UNESCO-Welterbes der Berliner Moderne. Hans Scharoun, Walter Gropius und Hugo Häring entwarfen ab 1929 helle, durchgrünte Wohnzeilen. Ein Spaziergang durch die Geißlerstraße und den Goebelplatz zeigt, wie radikal modern dieser Städtebau in den späten Zwanzigern war.

6. Luftwaffenmuseum Gatow

MiG-29 vor dem Militärhistorischen Museum am Flugplatz Gatow © Ad Meskens
Eine MiG-29 auf dem Freigelände des Militärhistorischen Museums am ehemaligen Flugplatz Gatow. Foto: Ad Meskens, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
  • Adresse: Am Flugplatz Gatow 33, 14089 Berlin
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Technikbegeisterte, Familien, Geschichtsinteressierte
  • Geöffnet: Dienstag bis Sonntag, ganzjährig

Auf dem ehemaligen Militärflugplatz Gatow, einst Royal Air Force Station und später Heimat der britischen Garnison in West-Berlin, befindet sich heute das Militärhistorische Museum der Bundeswehr. Auf rund 35 Hektar sind über 200 Luftfahrzeuge ausgestellt.

Zu sehen sind MiG-Jäger, Transportmaschinen aus der Luftbrücke und ein originaler Kontrollturm aus der Zeit des Kalten Krieges. Das Museum ist Außenstelle des Militärhistorischen Museums Dresden und bietet einen Einblick in die deutsche Luftfahrtgeschichte vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart.

7. Gut Gatow

Herrenhaus des Guts Gatow © Leonhard Lenz
Das Herrenhaus des Guts Gatow, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Foto: Leonhard Lenz, CC0, via Wikimedia Commons.
  • Adresse: Kladower Damm 297, 14089 Berlin
  • Eintritt: Außenanlagen frei, Innenräume zu Veranstaltungen
  • Geeignet für: Spaziergänger, Hochzeitsgesellschaften
  • Tipp: Allee und Pferdekoppeln im Spätnachmittagslicht

Wenige hundert Meter von der Dorfkirche entfernt steht das Gut Gatow, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Das heutige Herrenhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert, der Park ist im englischen Landschaftsstil angelegt. In DDR-Zeiten war es nicht zugänglich, da der Sperrstreifen direkt an der Gutsgrenze verlief.

Nach der Wiedervereinigung wurde das Anwesen restauriert, heute finden hier Hochzeiten, Konzerte und Veranstaltungen statt. Der angrenzende Gatower Wald und die Felder Richtung Kladow laden zu langen Spaziergängen ein.

8. Kladow und die Fähre F10

Imchenplatz in Alt-Kladow mit der Fähranlegestelle © Boonekamp
Der Imchenplatz in Alt-Kladow mit Blick auf die Havel und die Anlegestelle der Fähre F10. Foto: Boonekamp, CC0, via Wikimedia Commons.
  • Adresse: Imchenplatz, 14089 Berlin
  • Fährpreis: normales BVG-Ticket (AB-Bereich)
  • Geeignet für: Sonntagsausflügler, Familien
  • Saison: ganzjährig, im Sommer dichterer Takt

Das alte Fischer- und Bauerndorf ist heute ein gefragter Wohnort und beliebtes Ausflugsziel. Vom Imchenplatz mit Kopfsteinen, altem Anker und Cafés mit Havelblick hat man das Gefühl, in einem brandenburgischen Marktflecken angekommen zu sein.

Die größte Berühmtheit Kladows ist die Fähre F10, eine reguläre BVG-Linie nach Wannsee. Sie gilt als längste Fährverbindung im Berliner Nahverkehrstarif, die zwanzigminütige Überfahrt führt an der Pfaueninsel vorbei und kostet nur ein normales BVG-Ticket.

9. Wasserstadt Oberhavel

Die Havelspitze in der Wasserstadt Oberhavel © Roman Bansen
Die Havelspitze in der Wasserstadt Oberhavel, mit weitem Blick über die Wasserläufe. Foto: Roman Bansen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
  • Adresse: Pulvermühlenweg und Maselakeufer, 13585 Berlin
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Architekturfans, Stadtentwicklungsinteressierte
  • Highlight: Havelspitze mit Blick zur Zitadelle

Nördlich der Altstadt, dort wo früher die Spandauer Industrie an der Havel produzierte, entstand seit den späten Neunzigern die Wasserstadt Oberhavel. Auf dem Gelände der ehemaligen Chemischen Fabrik und der Pulverfabrik wurden neue Wohnquartiere errichtet, mit Brücken, Kanälen und einer weiträumigen Uferpromenade.

Die Havelspitze, an der die Havel sich gabelt, ist einer der schönsten Punkte des Quartiers. Von hier blickt man zurück auf die Zitadelle und nach vorn auf die Wasserläufe Richtung Hennigsdorf. Im Sommer legen Hausboote an.

10. Tiefwerder Wiesen

Auenlandschaft der Tiefwerder Wiesen © Stephan Laude
Die Tiefwerder Wiesen, eine Auenlandschaft mit alten Havelarmen und feuchten Wiesen mitten in Berlin. Foto: Stephan Laude, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
  • Adresse: Tiefwerderweg, 13593 Berlin (Eingang Pichelsdorfer Weg)
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Naturfreunde, Vogelbeobachter, Frühaufsteher
  • Saison: ganzjährig, am schönsten Mai bis Juli

Zwischen Wilhelmstadt, Stadtautobahn und Havel liegt eines der ungewöhnlichsten Naturschutzgebiete Berlins. Auf rund 95 Hektar erstreckt sich eine Auenlandschaft mit alten Havelarmen, Schilfgürteln, Pferdekoppeln und feuchten Wiesen. Mitten in Berlin grasen hier Pferde und Schafe, brüten Wasservögel.

Seit 1988 Naturschutzgebiet, wird das Gelände extensiv beweidet, um die Artenvielfalt zu erhalten. Auf ausgewiesenen Wegen lässt sich das Gebiet erkunden, eine Brücke führt über den Hauptgraben, von einer Aussichtsplattform sieht man bei klarem Wetter bis zum Funkturm.

11. Gartenstadt Staaken

Ehemaliges Kaufhaus in der Gartenstadt Staaken © Karl Kiem
Das ehemalige Kaufhaus am Markt der Gartenstadt Staaken, einer denkmalgeschützten Siedlung von 1914 bis 1917. Foto: Karl Kiem, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons.
  • Adresse: Heidebergplan und Am Markt, 13591 Berlin
  • Eintritt: frei (bewohnte Siedlung, Außenbesichtigung)
  • Geeignet für: Architekturfans, Spaziergänger
  • Verkehr: mit dem Bus ab Rathaus Spandau Richtung Staaken

Im äußersten Westen Spandaus, kurz vor der brandenburgischen Grenze, liegt eine der ältesten Gartenstädte Deutschlands. Zwischen 1914 und 1917 entwarf der Architekt Paul Schmitthenner die Siedlung für die Arbeiter der Spandauer Pulver- und Munitionsfabriken, in einer Zeit, als Wohnungsnot und Industrialisierung neue Wohnformen verlangten.

Statt nüchterner Mietskasernen entstand ein Ensemble aus giebelständigen Häusern, geschwungenen Gassen und einem kleinen Marktplatz, das sich bewusst am Bild einer altdeutschen Kleinstadt orientiert. Die gesamte Gartenstadt steht heute unter Denkmalschutz. Wer durch den Heidebergplan schlendert, versteht schnell, warum die Siedlung als Vorbild für den Siedlungsbau des 20. Jahrhunderts gilt.

Drei Geheimtipps für später
  • Eiswerder: kleine Havelinsel, einst königliche Pulverfabrik, heute Künstlerateliers
  • Aalemannufer: schmaler Wanderweg im Norden mit naturbelassener Badestelle
  • Citadel im Winter: Festung oft fast für sich, Glühwein am Lindenufer

Ausblick: Was als nächstes für Besucher entsteht

Spandau wird in den nächsten Jahren noch sichtbarer für Tagesausflügler. Die Reaktivierung der Siemensbahn macht die Großsiedlung Siemensstadt und die historischen Werksbauten direkt per S-Bahn von Jungfernheide erreichbar. In der Wasserstadt entstehen weitere Uferpromenaden, und das Citadel Music Festival baut sein Programm beständig aus.

Spandau ist kein Ort, an dem man eine Liste abarbeitet. Es ist ein Ort, an dem man sich Zeit nimmt, einen Nachmittag am Wasser verbringt, eine Festung besteigt, in einer Eisdiele sitzt und sich wundert, dass man in derselben Stadt wie der Alexanderplatz ist.

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Matthias Wenniger
Matthias Wenniger
Freier Journalist

Freiberuflicher Journalist, geboren und aufgewachsen in der Spandauer Neustadt. Nach Jahren bei verschiedenen Berliner Lokalredaktionen zog es ihn zurück in den Heimatbezirk. Schreibt am liebsten über Menschen, die Spandau prägen.

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