Spandau wirkt von außen oft kleiner, als es ist. Wer den Bezirk nur vom Durchfahren auf der A100 oder vom Wochenendausflug zur Zitadelle kennt, unterschätzt schnell, wie viel hier zusammenkommt: eine eigene Stadtgeschichte, das älteste Bauwerk Berlins, ein BMW-Werk und der westlichste Zipfel der Hauptstadt.
Wir haben 31 Fakten über Spandau zusammengetragen, von der nüchternen Statistik über kuriose Geschichte bis zu den Projekten, die den Bezirk in den nächsten Jahren verändern. Jeder Fakt trägt am Ende eine Nummer, die per Klick zur passenden Quelle springt. Deren genaue Adresse lässt sich dort per Mauszeiger anzeigen.
Größe, Lage und Bevölkerung
1. Spandau ist der kleinste Bezirk Berlins
Mit 246.257 Einwohnern (Zensus-Fortschreibung, Stand 31. Dezember 2024) hat Spandau die geringste Einwohnerzahl aller zwölf Berliner Bezirke, knapp vor Reinickendorf. Zählt man nur melderechtlich registrierte Personen, sind es rund 257.000. Welche Zahl stimmt, hängt schlicht von der Methode ab.1
2. Flächenmäßig dagegen einer der größten
Bei der Fläche dreht sich das Bild: Mit 91,9 Quadratkilometern ist Spandau der viertgrößte Bezirk und belegt rund ein Zehntel der Berliner Gesamtfläche. Wenige Menschen auf viel Raum, das erklärt den fast dörflichen Charakter mancher Ecken zwischen Gatow und Kladow.2
3. Die niedrigste Bevölkerungsdichte weit und breit
Auf einen Quadratkilometer kommen in Spandau nur rund 2.680 Einwohner. Der Berliner Schnitt liegt bei etwa 4.200, in Friedrichshain-Kreuzberg sind es über 14.000. Spandau hat Luft zum Atmen, weil Wald, Havel und Felder große Teile der Fläche einnehmen.3
4. Bis 1920 war Spandau eine eigene Stadt
Spandau war jahrhundertelang eine selbstständige Stadt und wurde erst am 1. Oktober 1920 durch das Groß-Berlin-Gesetz eingemeindet. Die selbstbewusste Industriestadt wehrte sich gegen den Anschluss. Das Gefühl, eigentlich nicht Berlin, sondern Spandau zu sein, hält sich bis heute.4
5. Älter als Berlin
Spandau wurde 1197 erstmals urkundlich erwähnt und besaß spätestens 1232 das Stadtrecht. Berlin taucht erst 1237 in den Quellen auf. Der Spruch, Spandau sei älter als Berlin, ist also keine Lokalpatrioten-Legende, sondern urkundlich gut begründet. Mehr dazu in unserer Geschichte Spandaus.5
6. Hier mündet die Spree in die Havel
Spandau ist der westlichste Bezirk Berlins und liegt überwiegend westlich der Havel. Zwischen Altstadt und Zitadelle mündet die Spree, der Fluss, der ganz Berlin durchzieht, schließlich in die Havel. Genau an diesem Zusammenfluss entstand vor über 800 Jahren die erste Siedlung.6
7. Etwas älter und kinderreicher als der Berliner Schnitt
Das Durchschnittsalter liegt bei rund 43 Jahren, leicht über dem Berliner Mittel. Gleichzeitig gilt Spandau als vergleichsweise kinderreicher Bezirk, getragen von jungen Familien in den Großsiedlungen und Neubaugebieten. Details dazu in unserem Beitrag Einwohner und Demografie.7
8. Fast jeder Zweite hat eine Einwanderungsgeschichte
45,7 Prozent der Spandauer haben einen Migrationshintergrund, der Ausländeranteil liegt bei rund 27 Prozent. In Stadtteilen wie Staaken, der Altstadt und dem Falkenhagener Feld ist der Anteil deutlich höher und prägt Geschäfte, Vereine und Schulen.8
9. Neun Ortsteile, von der Großsiedlung bis zum Dorf
Spandau gliedert sich in neun Ortsteile. Der größte ist Staaken mit rund 47.000 Einwohnern, der kleinste das alte Dorf Gatow mit gerade einmal etwa 3.550. Zwischen Hochhaussiedlung und Reetdachidylle liegen hier oft nur wenige Autominuten.9
Wahrzeichen und Geschichte
10. Eine der besterhaltenen Renaissance-Festungen Europas
Die Zitadelle Spandau entstand zwischen 1559 und 1594 und gilt als eine der bedeutendsten und besterhaltenen Festungen der Renaissance in ganz Europa. Heute beherbergt sie Museen, Künstlerateliers und im Sommer eines der bekanntesten Open-Air-Konzertgelände der Stadt.10
11. Das älteste erhaltene Bauwerk Berlins steht in Spandau
Der Juliusturm der Zitadelle stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und gilt als das älteste erhaltene Bauwerk Berlins. Der rund 32 Meter hohe Bergfried hat Mauern von bis zu 3,60 Metern Stärke. Wer die Stufen erklimmt, blickt über den halben Bezirk.11
12. Hier lagerte einst der Goldschatz des Kaiserreichs
Von 1874 bis 1919 lagerte im Juliusturm der Reichskriegsschatz: 120 Millionen Goldmark in gemünztem Gold, eine eiserne Reserve für den Kriegsfall. Daraus entstand die bis heute gebräuchliche Redewendung vom "Juliusturm" für ein prall gefülltes Finanzpolster.12
13. Das Gefängnis mit nur einem einzigen Häftling
Im alliierten Kriegsverbrechergefängnis Spandau saß ab 1966 nur noch ein einziger Mann: Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß, bis zu seinem Tod 1987. Danach wurde das Gefängnis komplett abgerissen und der Schutt beseitigt, damit kein neonazistischer Wallfahrtsort entstehen konnte.13
14. Berlins größte zusammenhängende Fußgängerzone
Die Spandauer Altstadt mit ihren mittelalterlichen Gassen ist nahezu vollständig autofrei und gilt als die größte zusammenhängende Fußgängerzone Berlins. Rund um den Reformationsplatz und die Nikolaikirche reiht sich Geschäft an Café.14
15. Einer der größten Weihnachtsmärkte der Stadt
Im Advent verwandelt sich die Altstadt in einen der größten Weihnachtsmärkte Berlins, an den Wochenenden mit mehreren Hundert Ständen. Die historische Kulisse aus Kopfsteinpflaster und Backsteinfassaden macht ihn zu einem der beliebtesten der Region.15
16. Eine Weltkarriere steckt im Bandnamen
Die britische Band Spandau Ballet benannte sich nach einem Graffiti, das ein Bandfreund Ende der 1970er Jahre auf einer Berlin-Reise entdeckt haben soll. Wie der Schriftzug an die Spandauer Wand kam, ist bis heute umstritten. Weltberühmt wurde der Bezirksname trotzdem.16
Wirtschaft und Industrie
17. Jedes BMW-Motorrad hat seinen Ursprung hier
Seit 1969 baut BMW in Spandau Motorräder, jahrzehntelang im einzigen Motorradwerk des Konzerns weltweit. Bis heute ist es das Stammwerk der Sparte. 2026 lief das viermillionste in Berlin gefertigte BMW-Motorrad vom Band.17
18. Über 150.000 Fahrzeuge pro Jahr
Im BMW-Werk an der Juliusturmstraße arbeiten mehr als 2.600 Menschen. 2024 verließen über 157.000 Motorräder und E-Roller die Hallen. Damit gehört der Standort zu den größten industriellen Arbeitgebern im Berliner Westen.18
19. Aus einer Werkssiedlung wurde ein ganzer Stadtteil
Der Ortsteil Siemensstadt geht auf eine firmeneigene Siedlung zurück, die Siemens ab 1897 für seine Arbeiter baute, samt Wohnungen, Schulen und Kirchen. Bis heute ist es einer der bekanntesten Industriestandorte Deutschlands.19
20. Die größte Einzelinvestition der Siemens-Geschichte
Mit dem Projekt Siemensstadt Square investiert Siemens rund 600 Millionen Euro in einen neuen Stadtteil auf 73 Hektar. Geplant sind etwa 2.750 Wohnungen sowie Büros, Forschung und Produktion. Es ist die größte Einzelinvestition an einem Standort in der Firmengeschichte.20
Natur und Wasser
21. Berlins zweitgrößter Wald
Der Spandauer Forst im Norden des Bezirks misst rund 1.347 Hektar und ist damit nach dem Grunewald der zweitgrößte Wald Berlins. Teile stehen als Naturschutzgebiet unter Schutz, mit Mooren, Wildschweinen und seltenen Vogelarten.21
22. Ein Bezirk am Wasser
Havel, Spree, zahlreiche Seen wie die Scharfe Lanke und der Stößensee sowie weite Waldflächen machen Spandau zu einem der grünsten und wasserreichsten Bezirke Berlins. Wer am Lindenufer in der Altstadt steht, fühlt sich eher an eine Hansestadt erinnert als an eine Millionenmetropole.22
Wohnen und Kosten
23. Einer der günstigsten Bezirke zum Wohnen
Spandau zählt zu den preiswertesten Bezirken Berlins. Die Angebotsmieten liegen je nach Quelle bei rund 11 bis 14 Euro pro Quadratmeter kalt, während Mitte oder Friedrichshain-Kreuzberg fast das Doppelte verlangen. Nur Marzahn-Hellersdorf ist ähnlich günstig.23
24. Mehr Quadratmeter fürs gleiche Geld
Wer von der Innenstadt nach Spandau zieht, bekommt für dasselbe Budget spürbar mehr Wohnfläche. Eine vierköpfige Familie spart hier gegenüber den teuren Innenstadtbezirken leicht mehrere Tausend Euro Miete im Jahr, bei voller Infrastruktur. Wie sich das aufschlüsselt, zeigen unsere Lebenshaltungskosten.24
Verkehr und Anbindung
25. Endstation der längsten U-Bahn-Linie Berlins
Am Rathaus Spandau endet die U7, mit 31,8 Kilometern und 40 Bahnhöfen die längste U-Bahn-Linie Berlins und zugleich die längste durchgehend unterirdische U-Bahn Deutschlands. Von Spandau bis Rudow im Süden braucht sie gut eine Stunde.25
26. Ein Fernbahnhof mitten im Bezirk
Der Bahnhof Berlin-Spandau ist Fern- und Regionalbahnhof zugleich, täglich nutzen ihn rund 45.000 Reisende. ICE- und IC-Züge halten hier, auch wenn die Bahn das Fernverkehrsangebot zuletzt ausgedünnt hat. Für viele Pendler ist es das Tor Richtung Hamburg und Hannover.26
Was sich in den nächsten Jahren verändert
27. Ein komplett neuer Stadtteil am Wasser
Mit der Wasserstadt Oberhavel entsteht eines der größten neuen Wohnquartiere Berlins, geplant sind rund 13.250 Wohnungen auf etwa 206 Hektar beiderseits der Havel. Schulen, Kitas und Grünanlagen sollen daraus einen vollständigen Stadtteil machen.27
28. Spandau wächst weiter
Die Bevölkerungsprognosen erwarten für Spandau weiteres Wachstum, bis 2040 in Richtung 265.000 bis 275.000 Einwohner. Treiber sind die großen Neubauquartiere und der Zuzug aus den teureren Innenstadtbezirken. Gleichzeitig altert die Bevölkerung spürbar.28
29. Die Siemensbahn kehrt zurück
Die seit 1980 stillgelegte Siemensbahn wird reaktiviert. Der Baustart ist für 2026 geplant, die Wiedereröffnung der S-Bahn-Strecke nach Siemensstadt für rund 2029, hundert Jahre nach ihrer ersten Eröffnung.29
30. Die U7-Verlängerung, die vorerst scheiterte
Lange war eine Verlängerung der U7 vom Rathaus Spandau Richtung Heerstraße im Gespräch. Die Wirtschaftlichkeitsprüfung fiel jedoch negativ aus, dieser Ast liegt vorerst auf Eis. Weiterverfolgt wird stattdessen der südliche Ausbau von Rudow zum Flughafen BER.30
31. Aus Industrie wird ein Zukunftsquartier
Bis Mitte der 2030er Jahre soll mit Siemensstadt Square ein vernetztes Quartier aus Wohnen, Arbeiten und Forschung entstehen. Zusammen mit Wasserstadt und Siemensbahn zeigt sich, wo Spandaus Zukunft liegt: am Wasser, an der Schiene und an der Industrie, die den Bezirk einst groß gemacht hat. Wie sicher man dabei lebt, zeigt unsere Kriminalitätsstatistik.31